Ein Unternehmen zu zweit übernehmen: Wie strukturiert man die Partnerschaft?

BlogÜbernehmen9. Juni 2026
Ein Unternehmen zu zweit übernehmen: Wie strukturiert man die Partnerschaft?

Einleitung

Ein Unternehmen mit einem Partner zu übernehmen ermöglicht es, komplementäre Kompetenzen zu kombinieren, finanzielle Risiken zu teilen und die Investitionskapazität zu erhöhen. Aber diese Konstellation bringt auch spezifische Herausforderungen mit sich: strategische Divergenzen, Entscheidungskonflikte, Ungleichgewichte im tatsächlichen Engagement.

Die Mehrheit der Spannungen zwischen Partnern entsteht nicht aus einem Mangel an Kompetenzen, sondern aus einem Mangel an anfänglicher Klarheit. Wer entscheidet bei Uneinigkeit? Wie verteilt sich die Macht tatsächlich über die Kapitalanteile hinaus? Was passiert, wenn einer der beiden in drei Jahren aussteigen möchte?

Diese Fragen müssen vor der Unterzeichnung der Übernahmeurkunde geklärt werden, nicht erst nach den ersten Konflikten. Dieser Leitfaden beschreibt die fünf wesentlichen Dimensionen, die für eine erfolgreiche Übernahme zu zweit strukturiert werden müssen: Wahl der Rechtsform, Kapitalaufteilung, Rollendefinition, Ausarbeitung der Gesellschaftervereinbarung und Antizipation von Ausstiegsszenarien. Das Ziel: einen klaren Rahmen zu schaffen, der die Beziehung und das Projekt schützt.

📌 Zusammenfassung (TL;DR)

Die Übernahme eines Unternehmens zu zweit erfordert die Klärung von fünf Dimensionen vor der Unterzeichnung: die geeignete Rechtsform, die Kapitalaufteilung (über das einfache 50/50 hinaus), die präzise Definition der Rollen und Verantwortlichkeiten, die Ausarbeitung einer Gesellschaftervereinbarung mit Schutzklauseln und die Antizipation von Ausstiegsszenarien. Ein klarer rechtlicher und operativer Rahmen verhindert Konflikte und sichert die Partnerschaft langfristig.

Die 5 Fragen, die vor der Unterzeichnung geklärt werden müssen

Bevor Sie sich auf eine Unternehmensübernahme mit Partnern einlassen, klären Sie diese fünf grundlegenden Punkte:

  • Langfristige Vision: Teilen Sie die gleichen Ziele in Bezug auf Wachstum, Rentabilität und Ausstieg?
  • Kapitalaufteilung: Wer bringt was ein, und wie übersetzt sich das in Anteile?
  • Operative Rollen: Wer verwaltet was im Tagesgeschäft?
  • Finanzielles und persönliches Engagement: Welches Risiko- und Zeitniveau kann jeder investieren?
  • Ausstiegsszenarien: Was passiert bei Uneinigkeit, Krankheit oder Austritt?

Diese Fragen verhindern zukünftige Konflikte und legen die Grundlagen für eine solide Übernahmepartnerschaft.

Welche Rechtsform für Ihre Partnerschaft?

In der Schweiz dominieren zwei Rechtsformen für den Kauf eines KMU zu zweit:

AG (Aktiengesellschaft): Geeignet für grössere Projekte, bietet sie Flexibilität bei der Kapitalaufteilung und erleichtert den Eintritt neuer Investoren. Mindestkapital: 100'000 CHF.

GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung): Einfacher und kostengünstiger (Mindestkapital 20'000 CHF), eignet sie sich für mittelgrosse KMU mit einer begrenzten Anzahl von Gesellschaftern.

Die Wahl hängt von Ihrem Projekt und Ihren Ambitionen ab. Eine rechtliche Begleitung wird empfohlen: Konsultieren Sie unser Partnernetzwerk, um mit Experten in Kontakt gebracht zu werden.

Kapitalaufteilung: über das 50/50 hinaus

Die Kapitalaufteilung 50/50 scheint gerecht, kann aber Entscheidungen bei Uneinigkeit blockieren.

Bevorzugen Sie eine Aufteilung basierend auf objektiven Kriterien:

  • Finanzieller Beitrag: Wer finanziert die Übernahme und das Betriebskapital?
  • Kompetenzen: Wer bringt die Branchen- oder technische Expertise ein?
  • Investierte Zeit: Wer arbeitet Vollzeit vs. Teilzeit?
  • Risikoübernahme: Wer bürgt persönlich für die Kredite?

Konkrete Beispiele: 60/40, wenn ein Partner 70% finanziert und das operative Geschäft leitet, 70/30, wenn einer das Kundennetzwerk einbringt und der andere das Kapital.

Rollen und Verantwortlichkeiten definieren

Von Anfang an zu klären, wer was macht, vermeidet Grauzonen und Spannungen. In einer Übernahmepartnerschaft muss die Rollenverteilung die Kompetenzen und Interessen jedes Einzelnen widerspiegeln.

Ein Partner kann im täglichen operativen Management (Produktion, HR, Logistik) hervorragend sein, während sich der andere auf Strategie, Geschäftsentwicklung oder Finanzen konzentriert.

Dokumentieren Sie diese Verantwortlichkeiten in der Gesellschaftervereinbarung, um Missverständnisse zu vermeiden und eine klare Governance zu gewährleisten.

Operative vs. strategische Leitung

Unterscheiden Sie operative Verantwortlichkeiten (tägliches Management, Teams, Produktion) von strategischen Entscheidungen (Investitionen, kommerzielle Ausrichtungen, Partnerschaften).

Beispiel: Ein Partner verwaltet das operative Geschäft und die Teams, der andere steuert die Entwicklung und die Finanzstrategie. Diese Aufteilung nutzt komplementäre Kompetenzen und begrenzt Überschneidungen.

Präzisieren Sie diese Rollen in Ihren Statuten und Ihrer Gründervereinbarung, um eine reibungslose Umsetzung zu gewährleisten.

Entscheidungsprozess: Wer entscheidet?

Definieren Sie, welche Entscheidungen Einstimmigkeit erfordern (grössere Investitionen, Veräusserung von Vermögenswerten, Schlüsseleinstellungen) und welche autonom getroffen werden können.

Bei Uneinigkeit sehen Sie einen Lösungsmechanismus vor: Mediation durch einen neutralen Dritten, ausschlaggebende Stimme eines Mehrheitsgesellschafters oder Schiedsklausel.

Diese Klarheit vermeidet Blockaden und bewahrt die Beziehung zwischen den Partnern. Konsultieren Sie einen Spezialisten, um diese Regeln in Ihrer Gesellschaftervereinbarung zu formalisieren.

Die Gesellschaftervereinbarung: wesentliche Klauseln

Die Gesellschaftervereinbarung ergänzt die Statuten, indem sie die Governance- und Ausstiegsregeln definiert. Sie ist ein Instrument zur Konfliktprävention, das von den offiziellen Statuten getrennt ist.

Sie regelt die Beziehung zwischen den Gesellschaftern, schützt die Interessen jedes Einzelnen und sichert die Kontinuität des Unternehmens. Dieses vertragliche Dokument, oft vertraulich, kann leichter geändert werden als die Statuten.

Verfassen Sie es mit Hilfe eines spezialisierten Anwalts, um seine Gültigkeit und Wirksamkeit zu gewährleisten.

Wettbewerbsverbot und Vertraulichkeitsklausel

Die Wettbewerbsverbotsklausel hindert einen ausscheidenden Gesellschafter daran, während einer definierten Dauer (in der Regel 2 bis 3 Jahre) in einem angemessenen geografischen Umkreis ein konkurrierendes Unternehmen zu gründen oder sich diesem anzuschliessen.

Die Vertraulichkeitsklausel schützt strategische Informationen (Kunden, Lieferanten, Know-how) auch nach dem Ausscheiden eines Gesellschafters.

Diese gegenseitigen Schutzbestimmungen sichern den Wert des Unternehmens und bewahren seine Wettbewerbsfähigkeit.

Vorkaufsrecht und Zustimmungsklausel

Das Vorkaufsrecht ermöglicht es den verbleibenden Gesellschaftern, die Anteile eines ausscheidenden Gesellschafters zu erwerben, bevor sie einem Dritten angeboten werden.

Die Zustimmungsklausel erfordert die Zustimmung der bestehenden Gesellschafter, um den Eintritt eines neuen Gesellschafters zu validieren und so unerwünschte Partner zu vermeiden.

Definieren Sie auch den Bewertungsmechanismus für die Anteile (unabhängiger Experte, vordefinierte Formel), um Streitigkeiten beim Rückkauf zu vermeiden.

Vorzeitige Ausstiegsklausel (good leaver / bad leaver)

Diese Klausel unterscheidet zwischen freiwilligem und loyalem Ausscheiden (good leaver: Ruhestand, Krankheit, einvernehmliche Meinungsverschiedenheit) und schwerem Fehlverhalten (bad leaver: Verstoss gegen die Vereinbarung, unlauterer Wettbewerb).

Im Fall eines good leaver erhält der ausscheidende Gesellschafter den Marktwert seiner Anteile. Im Fall eines bad leaver kann ein Abschlag angewendet werden, um das Unternehmen zu schützen.

Diese Regeln gewährleisten Fairness und sichern gleichzeitig die Kontinuität der Geschäftstätigkeit.

Ausstiegsszenarien antizipieren

Von Anfang an die Trennungsmodalitäten vorzusehen, schützt das Unternehmen und die Gesellschafter. Häufige Szenarien umfassen: Tod, Invalidität, strategische Meinungsverschiedenheit, externe Gelegenheit.

Richten Sie eine Buy-Sell-Vereinbarung ein, die die Bedingungen für den Rückkauf der Anteile definiert. Beauftragen Sie einen unabhängigen Experten, um das Unternehmen im Falle eines Ausstiegs zu bewerten.

Die Kreuzlebensversicherung garantiert die Finanzierung des Rückkaufs im Todesfall eines Gesellschafters. Diese Mechanismen sichern die Nachhaltigkeit des Unternehmens.

Um die Vorteile und Fallstricke einer Übernahme zu zweit zu vertiefen, konsultieren Sie unseren Artikel mit einem Partner übernehmen.

Ein Unternehmen zu zweit zu übernehmen, vervielfacht die Kompetenzen und teilt die finanziellen Risiken. Aber diese Partnerschaft funktioniert nur, wenn die Grundlagen von Anfang an solide sind.

Die Fragen der Kapitalaufteilung, der Governance und des Entscheidungsprozesses müssen vor der Unterzeichnung geklärt werden. Eine gut strukturierte Gesellschaftervereinbarung schützt beide Parteien und antizipiert Ausstiegsszenarien, ob gewählt oder erzwungen.

Die Rechtsform, die Vorkaufsrechts-, Wettbewerbsverbots- und Good-Leaver/Bad-Leaver-Klauseln sind keine administrativen Details. Sie sind Schutzmassnahmen, die es der Partnerschaft ermöglichen, unvermeidliche Spannungen zu überstehen.

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